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Architektur wird im ‚Dritten Reich‘ und in der Analyse der Architektur des ‚Dritten Reichs‘ immer wieder als ‚Wort aus Stein‘ bezeichnet. Damit wird ein enger Zusammenhang von Politik und Baukunst behauptet, was vor 1945 zur Nähe der Architektur zum Nationalsozialismus beitrug und nach 1945 zu massiven Forderungen, diese weiterhin als sprechend empfundene Architektur abzureißen. Zugleich gibt es Architekten, Architekturtheoretiker und Bauhistoriker, die das Sprechen der Architektur als Wunschdenken abtun und die Bauten aus der Zeit des ‚Dritten Reichs‘ als vorzügliche Beispiele einer überpolitischen klassizistischen Ästhetik verstehen. Aber was ist das, ein ‚Wort aus Stein‘?  Ein Befehl, eine Gebrauchsanweisung, ein Manifest, eine Predigt, ein Poem, ein Roman, ein Lullaby (Kinderschlaflied)? Oder gar ein unschuldiges weißes Blatt?

Vortrag von Eduard Führ, bis zu seiner Emeritierung Inhaber Lehrstuhl Theorie der Architektur an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Termin: Montag, den 30.01.2017 um 19:00 Uhr im AIV Bleibtreustrasse 33, 10707 Berlin. Anmeldung nicht erforderlich

Er ist Gründer und Herausgeber von Wolkenkuckucksheim | Cloud-Cuckoo-Land | Воздушный замок. Er hat sich – in Publikationen zu Arbeitersiedlungen, zum Bau des KZ Sachsenhausen, zur städtebaulichen Gründung der Stadt Schwedt, zu Sabaudia (Italien) und zu Democracity (Ausstellung New York‘s World Fair, 1939/40) – intensiv mit politischen Aspekten der Architektur beschäftigt.

Eduard Führ hat anlässlich der gegenwärtig laufenden Hamburger Ausstellung über Cäsar Pinnau (Museum Altona, 28. September 2016 – 26. März 2017) ein Buch vorgelegt: Identitätspolitik: ‚Architect Professor Cesar Pinnau‘ als Entwurf und Entwerfer (transcript Verlag 2016), in dem er in detaillierter Recherche funktional und ästhetisch einzelne Bauwerke Pinnaus vor und nach 1945 (Großes Hotel an der Speerschen Nord-Süd Straße, Wiederaufbauplan für Bremen, Villen am Hamburger Elbufer, Verwaltungshochhaus der Reederei ‚Hamburg-Süd‘) analysiert und ein Fundament für eine neue Diskussion über den Zusammenhang von Architektur und Politik legt.