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Jawohl, wir haben verstanden! Haben wir verstanden?

Die Diskussion über den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld ist neu er­öffnet. Politiker und Experten für Stadtentwicklung diskutierten auf Einladung des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin über den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld im AIV-Salon. Die gesamte Diskussion können Sie auch als Film auf der Website des AIV sehen (Video ansehen).

Volker Härtig vom Fachausschuss der SPD  „Soziale Stadt“ stellte den Masterplan des Senates grundsätzlich zur Disposition und schlug eine offene auf die Gesamtstadt bezogene Diskussion vor. Auch der baupolitische Sprecher der CDU, Stefan Evers gab zu Protokoll, dass bei dem Volksentscheid nicht über einen Masterplan abgestimmt werde, sondern nur darüber, ob an den Rändern eine Bebauung möglich oder unmöglich sein sollte. Zur allgemeinen Über­raschung kam auch noch eine dritte Variante ins Spiel. Man könne auch „weder/noch“ stimmen.

Der Architekturkritiker Michael Mönninger hatte zuvor bekannt, dass er vom Saulus zum Paulus geworden sei, obwohl er die Weite und Erhabenheit des Felds vor dem Hintergrund der Stadtsilhouette nicht in Abrede stellen wolle. Hamburg erweitere seine City in der HafenCity um 40%, Stuttgart bebaue 100 ha am Bahnhofsgelände und erweitere sich um 30%, Frankfurt am Main mit der Europacity am Güterbahnhof bebaue ebenfalls 100 ha. Er empfahl ein Moratorium, denn Berlin brauche eine große städtebauliche Lösung und keine „Schamblende“ am Rande.

„Wir brauchen eventuell eine neue Art temporärer Architektur, mehr wilde Mischungen von Wohnen und Arbeiten, von sozialen Milieus, besser angepasste städtische Räume an die sich verändernden Lebensstile der Generationen. Stadt der kurzen Wege, unterschiedliche Wohn- und Eigentumsformen. Wo bauen wir an die­ser Stadt der Zukunft in Berlin ?“, fragte Winfried Hammann von Bürgerstadt Aktien­gesellschaft. Er fürchte, dass auf dem Tempelhofer Feld keine urbanen Stadtviertel entstünden. „Bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen, sei kein städtebau­liches Konzept, sondern eine Notwendigkeit, die man auch auf einer Vielzahl von anderen Flächen schneller und günstiger realisieren könne. Er plädierte dafür, die Wohnungsfrage von der Bebauung des Tempelhofer Feldes abzukoppeln. Dort gehe es aktuell darum, dass hier keine planungsrechtliche Verfestigung in welche Richtung auch immer erfolge. Ein neues Stadtforum müsse sich der Dis­kussion um Berlin als europäische Weltbürgerstadt des 21.Jahrhunderts stellen – dann könne man auch über das Tempelhofer Feld neu nachdenken. Dass es dafür zu spät sei, sei wohl als Witz gemeint.

„Die Politik wird abgestraft werden“, meinte Aljoscha Hofmann von Think Berlin. Der Vertrauensverlust sei viel zu groß und daran, dass ein neuer Masterplan über Nacht aus dem Hut gezaubert werde, glaube er nicht mehr. Ob die Politik dies verstanden hat, wird man sehen. Vielleicht „weder-noch“. Damit die politische Kultur in Berlin sich selbst ein Bild machen kann, haben wir die gesamte Diskussion in der AIV- Geschäftsstelle Berlin vom 24.März 2014 filmisch dokumentiert (Video ansehen). 

Prof. Dr. h.c. Wolfgang Schuster, 1. Vorsitzender Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin.

download als pdf: Pressemitteilung Tempelhofer Feld

Presseanfragen: Jörg Brause - Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin,

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon: (030) 24532-125, Mobil: (0170) 6878 007 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!