schinkelkirche

Pressemitteilung

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) protestiert gegen die weiterhin von Unkenntnis, Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit ge­kennzeichneten Baumaßnahmen im unmittelbaren Umfeld einzigartiger Denkmalbau­ten in der Berliner Mitte. Die skandalösen jüngsten Bauschäden an der Friedrichs­werderschen Kirche von Karl Friedrich Schinkel hätten niemals auftreten dürfen.

Der Verweis auf die im „schwierigen“ Berliner Baugrund verborgenen „Unvorherseh­barkeiten“ entlastet weder den Bauherren noch die Genehmigungsbehörden. 

Wenn es auch wünschenswert ist, überdimensionierte Verkehrs- und Brachflächen zu bebauen, so bedarf es aber der unbedingten Einhaltung von Mindeststandards im Um­gang mit anliegenden Baudenkmalen. Tiefgründungen für mehrere Pkw-Unterge­schosse verbieten sich speziell in ihrem Umfeld­. 

Schon Baumasse und Höhe des neuen Wohnquartiers „Kronprinzen-Gärten“ stellen eine Inkunabel des Berliner Kirchenbaus im Wortsinne in den Schatten. Fassungslos macht es, dass die Balkone und Terrassen des Luxus-Wohnblocks in Licht und Sonne schwelgen, während die einzigartigen farbfigurigen Chorfenster Schinkels, die letzten ihrer Art, verstellt und somit ihrer Intention und Wirkung beraubt werden. 

Es ist ein Skandal, dass zweifelhafte Mega-Projekte die wenigen heraus­ragenden Bauten des historischen Berlins in ihrem Bestand und ihrer Funktion im Stadtgefüge gefährden. 

Die Übernahme von Kosten zur Schadensregulierung und zur Deponierung von Kunst­werken in Museumskellern, die zu den größten Leistungen der Berliner Bildhauer­schule gehören, stehen in keinem Verhältnis zu den kulturellen Verlusten, die der Schinkelkirche im Äußeren wie Inneren angetan wurden und die Besucher und For­schung durch den zeitlich noch nicht abschätzbaren Entzug der Skulpturensammlung hinnehmen müssen. 

Der AIV zu Berlin fordert: 

· einen detaillierten und transparenten Rettungsplan für die Friedrichswerdersche Kirche

· eine außerordentliche Sorgfalt bei der Prüfung und Genehmigung in histori­schen Stadtquartieren

· die Versagung von Tiefgründungen ohne Einschaltung unabhängiger Gutachter und die Einhaltung der von ihnen verantworteten Sicherheitsabstände

· mehr Einfluss der Denkmalbehörden unter Einbeziehung des den Senat be­ratenden Landesdenkmalrates

· eine umgehende Offenlegung der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten bei eintretenden Schadensfällen  

Die Friedrichswerdersche Kirche wurde zwischen 1824 und 1831 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut, in der bis Ende 2012 Skulpturen des frühen 19. Jahr­hunderts aus dem Bestand der Alten Nationalgalerie zu sehen waren. Aufgrund von Bauschäden wurde die Kirche geräumt und ist derzeit für Besucher nicht zugänglich.    

Presseanfragen: Jörg Brause - Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Telefon: (030) 245 32-125, Mobil: (0170) 68 78 007, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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