Mühlendamm und Gertraudenbrücke

Berlin, 22. Juni 2020 – Nach Angaben des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV) fängt guter Städtebau in einer Stadt mit vielen Wasserwegen bei den Brücken an. Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Brücken können nicht nur verbinden, sondern Stadträume beleben bzw. sogar neu entstehen lassen. Das zeigen uns historische Beispiele wie der Ponte Vecchio in Florenz oder die Rialtobrücke in Venedig, aber auch moderne Bauten wie die Cirkelbroen-Brücke in Kopenhagen sowie die Entwürfe zur Bridge 800 competition in London. Berlins aktuelle Brückenplanungen im Zentrum sind hingegen uninspiriert, autobahnartig und eines Stadtzentrums unwürdig. Deswegen müssen dringend vernünftige urbane Konzepte entwickelt werden, damit nicht weiter Betonmonster gebaut werden, die einen guten Städtebau unmöglich machen.“

Zwei Beispiele für fehlgeschlagene Brückenplanungen, die zu einem monströsen Autoverkehr und zu unmenschlichen Räumen geführt haben, sind die Mühlendamm- und Gertraudenbrücke, die 1968 bzw. 1978 entstanden sind. Bis heute zerschneiden sie den historischen Kern von Berlin und sind zu Symbolen eines verfehlten Städtebaus geworden. Wie die baugleiche Elsenbrücke in Treptow sind sie mittlerweile baufällig und müssen erneuert werden – die Chance für einen Neuanfang!

Dr. Benedikt Goebel, Stadthistoriker und AIV-Vorstandsmitglied: „Hier darf es kein Weiter so! geben. Das Klosterviertel und der Molkenmarkt bilden den Ursprung der Stadt Berlin, der gerade neu gestaltet wird. Eine innovative Brückenplanung kann hier Quartiere verbinden und so die verlorene Urbanität zurückkehren lassen. Eine interessante Alternative wäre beispielsweise die Idee, die Mühlendammbrücke selbst wieder zu bebauen. Genau 100 Jahre nach der Gründung von Groß-Berlin hat die Stadt die einmalige Chance, nicht wieder in die 1970er Jahre zu verfallen, sondern auch im Zentrum eine menschenfreundliche Metropole zu gestalten.“

Berlin, 16. Juli 2020 – Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat heute die fünf Gewinner des Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg bekannt gegeben.

Den 1. Preis erhält die Arbeit „Zusammenwachsen – Landschaf(f)tStadt“, die von den Berlin-Potsdamer Architekten Bernd Albers und Silvia Malcovati gemeinsam mit Vogt Landschaft und Arup Deutschland abgegeben wurde.

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Die weiteren Preisträger sind:

2. Preis: „Stadtlandschaft Brandenburg-Berlin 2070 – Kontur einer Übergangsgesellschaft“: Kopperroth / SMAQ / Alex Wall (Berlin und Cambridge, USA), Dipl.-Ing. Stefan Tischer, freischaffender Landschaftsarchitekt, Office MMK – Urban Technologiesa 2002 2020 05 14

3. Preis: „Sternarchipel Berlin – Brandenburg“: Jordi & Keller Architekten / Pellnitz Architektur und Städtebau (Berlin), Christina Kautz Landschaftsarchitektur, Ludwig Krause Stadtplanera 2012 2020 05 14

4. Preis: „Landschaft der Unterschiede“: Thomas Stellmach Planning and Architecture / fabulism GbR (Berlin), Lysann Schmidt Landschaftsarchitektur, Melissa Gómez (Beraterin für nachhaltige Mobilität und urbane Innovation), Marcus Andreas (Berater für Nachhaltigkeit), Florian Strenge (Berater für Urbanismus & Design Prozesse)

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5. Preis: „Archipel – Labor: Ein Atlas von urbanen Inseln für Berlin“: Pedro Pitarch (Madrid)

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Die AIV-Zeitschrift erscheint in der Regel zweimal jährlich und enthält neben aktuellen Beiträgen zum Berliner und Brandenburger Baugeschehen auch die Dokumentation des AIV-Schinkel-Preises. Die Mitglieder es AIV erhalten die Hefte kostenlos. Einzelne Hefte können in der Geschäftsstelle des AIV zum Preis von 18 Euro (inklusive Versand) bestellt werden. Die vollständige pdf-Version steht ca. 4 Wochen nach Erscheinen des Heftes online zur Verfügung.

 

„Unvollendete Metropole“: Wettbewerb, Ausstellung und Metropolengespräche als Beitrag für die qualitative und nachhaltige städtebauliche Weiterentwicklung von Berlin-Brandenburg

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Berlin, 27. April 2020 – Heute vor 100 Jahren wurde Berlin zum dritten Mal geboren – nach seiner Gründung im Mittelalter und nach dem Zusammenschluss von Berlin und Kölln mit ihren drei barocken Stadterweiterungen am Neujahrstag 1710. Oder genauer: Der 27. April 1920, Tag des Beschlusses der Preußischen Landesversammlung zu Groß-Berlin, war der Beginn der Schwangerschaft, das Licht der Welt erblickte die Riesenstadt erst gut ein halbes Jahr später am 1. Oktober 1920. Bereits vor der Gründung Groß-Berlins hatte der „Architektenverein zu Berlin“ gemeinsam mit der „Vereinigung Berliner Architekten“ einen Wettbewerb zur Gestaltung der Stadtregion durchgeführt. Das Jahrhundertereignis prägt das Gesicht der Stadt bis heute.

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, Vorsitzender des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV): „100 Jahre später knüpfen wir an unsere historische Rolle an, um einer breiten gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft der Stadtregion neue Energie zu geben. Unser Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb für Berlin-Brandenburg 2070 wird derzeit durchgeführt und im Juli entschieden. Die Wettbewerbsbeiträge sollen Lösungen aufzeigen, wie die Stadtregion in eine lebenswerte Zukunft geführt werden kann. Sie werden im Rahmen der Jubiläums-Ausstellung und in begleitenden Metropolengesprächen diskutiert. Wettbewerb, Ausstellung und Metropolengespräche bilden einen wichtigen Beitrag für die qualitative und nachhaltige städtebauliche Weiterentwicklung von Berlin.“

Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin

In der Jubiläumsausstellung „Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin“ werden Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Metropole verknüpft, die städtebaulichen Leistungen Berlins seit 1880 aufgezeigt und die daraus resultierenden aktuellen Potenziale der Stadtregion Berlin-Brandenburg beleuchtet.

Bauwirtschaft ist Motor für die Zeit in und nach der Krise

Berlin, 25. April 2020 – Vor 100 Jahren, am 27. April 1920, wurde der Beschluss gefasst, eine „neue Stadtgemeinde Berlin zu gründen“ (Groß-Berlin-Gesetz). Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) nimmt dies zum Anlass, mit Partnern von Oktober bis Dezember dieses Jahres eine Ausstellung über die städtebauliche Entwicklung nach diesem historischen Ereignis im Kronprinzenpalais Unter den Linden zu veranstalten. Aber auch, um die Ergebnisse des Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs für Berlin und Brandenburg 2070 zu präsentieren, der zurzeit bearbeitet und im Juli entschieden wird.

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Denn auch heute stehen wir – wie vor 100 Jahren – vor wichtigen Fragen und strukturellen Änderungen: die Frage nach der Zukunft der Mobilität, des Wohnens und Arbeitens im urbanen Raum oder nach der Zukunft von Freizeit und Sport in der Metropole – fast alle Bereiche sind einem gesellschaftlichen und damit städtebaulichen Wandel unterworfen. Wir brauchen daher eine Zukunftsperspektive, um die drängenden Probleme lösen zu können, denn sie auszusitzen, können wir uns nicht leisten. Die Zukunft kommt nicht über uns – sie wird heute von uns gestaltet.“ Dazu die aktuellen AIV-Statements:

Bauwirtschaft in der Pandemie

Viele Branchen sind durch die Krise unmittelbar beeinträchtigt – noch nicht aber die Bauwirtschaft. Noch laufen die Baustellen, aber ein Einbruch ist mit Zeitverzögerung auch hier möglich und – wenn nicht gegengesteuert wird – wahrscheinlich. Die Baubranche ist auch im neuesten Gutachten der Wirtschaftsweisen eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen unseres Landes – gerade in der Krise und danach. Deshalb muss jetzt alles Notwendige getan werden, sie zu unterstützen und überflüssige Hemmnisse abzubauen.

Genehmigungspraxis jetzt umstellen

Wir unterstützen daher die in Berlin jüngst diskutierte Idee, bei den meisten Genehmigungsvorgängen auf das Verfahren der so genannten Genehmigungsfiktion umzusteigen. Das bedeutet, wenn in einer bestimmten Zeit auf einen Baugenehmigungsantrag von Seiten der Genehmigungsbehörde nicht geantwortet wird und keine Argumente gegen den Antrag vorgebracht werden, gilt dieser als genehmigt. Was bisher bei Vorhaben bis zu einer bestimmten Größe und bestimmter Art innerhalb von Bebauungsplänen gilt, muss auf Sonderbauten und Vorhaben außerhalb von Bebauungsplänen erweitert werden: die automatische Genehmigung nach vier Wochen. Außerdem müssen endlich allen am Verfahren beteiligten Ämtern verbindliche Fristen zur Bearbeitung auferlegt werden, nach deren Ablauf die Zustimmung erteilt ist. Dass zum Beispiel Stadtplanungsämter Vorgänge monate- wenn nicht jahrelang folgenlos liegenlassen, muss aufhören. Folgenlos deshalb, weil jeder weiß, dass eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht viele Jahre dauert und deshalb außer Ärger nichts bringt. Recht haben und Recht bekommen klaffen hier skandalös weit auseinander.

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