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161. AIV-Schinkel-Wettbewerb „Zwischen Zehlendorf und Teltow“:

Beim Rückfragekolloquium konnten Teilnehmer offene Fragen klären

Kann man als Architekt auch einen Beitrag zur Freien Kunst abgeben? Welche Regelungen für den Denkmalschutz gibt es für Berlin und Teltow? Wo findet man Angaben über die Vegetation im Wettbewerbsgebiet? Oder Details zu Dachformen? Beim Rückfragekolloquium des AIV zu Berlin am 13. November hatten Interessierte die Gelegenheit, ihre zahlreichen offenen Fragen zur Aufgabenstellung des 161. AIV-Schinkel-Wettbewerbs zu klären. Fragen, die vielleicht noch nicht auf der Internetplattform Competitionline gestellt und beantwortet werden konnten, über die für angemeldete Teilnehmer alle Informationen verfügbar sind. Die sich beim Kolloquium mitunter für die kleinsten Details interessierten.


Rund 60 Studenten und berufstätige Planer - Künstler waren augenscheinlich noch nicht dabei -  trafen sich in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (die freundlicherweise einen großen Sitzungssaal zur Verfügung stellte), um mit einigen Mitgliedern des AIV, des Schinkelausschusses,  mit Klaus Georg Weißenberg von der Stadt Teltow und Jürgen Pluta von der Lenné-Akademie ins Gespräch zu kommen. Für Alena Büttner (25), Masterstudenten an der TU Berlin im Studiengang Stadt- und Regionalplanung, war das Treffen eine Entscheidungshilfe, um sich noch mal genauer über die Maßstäbe und Themenschwerpunkte Klarheit verschaffen zu können.

Dr. Cyrus Zahiri gab neben anderen Tipps den, dass detaillierte Informationen etwa zum Baumbestand oder Dachformen in den 3D-Apple Mapps oder bei Google zu finden seien. Aber der Stadtplaner warnte auch davor, sich in zu viele Details zu vertiefen: „Sie schwimmen eigentlich in Informationen und müssen sehen, dass es nicht unübersichtlich wird“, erklärte er.  Wo nicht jedes kleinste Detail in den Wettbewerbsunterlagen zu finden sei, könne man durchaus improvisieren.

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Kleingartenkolonie im Wettbewerbsgebiet auf Zehlendorfer Seite


Das länderübergreifende Wettbewerbsgebiet mit dem Teltowkanal in der Mitte umfasst Bereiche im Berliner Bezirk Zehlendorf und auf Brandenburger Seite die Stadt Teltow mit rund 25.000 Einwohnern. Vor allem für Radfahrer und Fußgänger fehlt es an Wegen, die die einzelnen, isoliert und weit voneinander entfernt liegenden Siedlungen und den wassernahen Naturraum besser erschließen und vernetzen könnten. Ein Baustein dafür könnte eine Brücke in Fortsetzung der Sachtlebenstraße unweit der Teltow-Werft sein, ebendort wo sich schon einmal ein Überweg befand. Aber muss man unbedingt genau an dieser Stelle neu bauen? Das war eine der Fragen, auf die Klaus Georg Weißenberg zu bedenken gab, den Standort und die Brücke als ein Element des Rad- und Fußgängernetzes aufzufassen und zu planen. Ein schon lange gehegter Wunsch von lokalen Initiativen. Bei einem Ideenwettbewerb aber, der ausdrücklich die Fantasie junger Planer und Künstler für innovative Lösungen herausfordern will, scheint erst mal vieles vorstellbar. Wie soll man zum Beispiel mit der Kleingartenkolonie auf Zehlendorfer Seite umgehen? Eine Überplanung scheint naheliegend zu sein, will man neue Quartiere entwickeln. Groß genug wäre die Fläche ja. Mit viel Fantasie könnte man sich ebenso gut vorstellen, dass es einem Entwurf gelingt, die sehr unterschiedlichen Interessen - neu zu bauen und den Bestand zu erhalten - zu vermitteln und die Gärten zu integrieren.

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Auf dem Gelände der Teltow-Werft (1924)


Eine andere Frage war, wie man mit der denkmalgeschützten Substanz der Teltow-Werft (1924) umgehen solle? Schließlich werden auch schon mal Denkmäler in begründeten Fällen abgerissen und die Denkmalschutzbehörden haben längst nicht jedes historische Gebäude davor zu bewahren vermocht. Aber im Fall der Teltow-Werft mit ihrem hallenartigen Lokschuppen im Mittelpunkt stellt wohl gerade ein behutsamer Umgang mit der alten Substanz eine besondere Herausforderung dar. Mit einem Preis für Denkmalpflege könne man wohl sonst kaum rechnen, gab Sebastian Rost mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
Auch wenn die Teilnehmer das Große und Ganze immer im Hinterkopf behalten sollten, empfahl ihnen der Schinkelausschuss auch, sich auf einen Schwerpunkt zu fokussieren. Einen gut durchdachten und dargestellten Entwurf zu erarbeiten und ihre Ideen stark zu begründen. „Es gibt keine Punkte für ‚Viel‘. Es kommt auf die Qualität der Entwürfe an‘“, sagte Prof. Karen Eisenloffel.


Jörg Brause, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.