AIV Wahlen Kammer 2017

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, dieser Tage erhalten Sie von der Architektenkammer Berlin Post zur Wahl der Vertreterversammlung. Die Kandidaten des AIV zu Berlin finden Sie auf der Liste mit dem Kennwort AIV - Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin.

AIV 5 von 21

AIV Neujahrsempfang am Freitag: Vernissage Sabine Wild, Publikation AIV Forum 1/2017, viele Gäste, neue Kontakte - bei Glühwein und Sekt stoßen wir auf das Neue Jahr an und freuen uns auf spannende Veranstaltungen (30.01 geht es los mit Eduard Führ zu Speer/ Krier/ Pinnau), Fortschritte bei der Debatte zu einem tragfähigen Programm der Internationalen Bauakademie Berlin, dem AIV Schinkelfest am 13.03 mit Bekanntgabe der Preisträger des größten deutschen Nachwuchs- Wettbewerbes, und vieles mehr!

Pressemitteilung des AIV vom 16.01.2017 an Frau Dr. Barbara Hendricks, Senatoren und Beteiltigte mit konkreten Vorschlägen zum Programm einer Internationalen Bauakademie

AIV Bauakademie Programm

„Die Schinkelsche Bauakademie wird wiederaufgebaut als ein öffentlicher Ort der Lehre, Forschung, Präsentation und des Diskurses über die Zukunftsthemen der Städte und der Architektur.“   

(Koalitionsvereinbarung zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) Landesverband Berlin, DIE LINKE Landesverband Berlin und BÜNDNIS 90/ Die Grünen Landesverband Berlin für die Legislaturperiode 2016-2021, Zeile 232-234).   

Der Brief des AIV zum Download

27 Jahre nach der Wende und 21 Jahre nach dem Abriss des DDR-Außenministeriums hat sich im Land Berlin politisch ein Konsens darüber gebildet, was von vielen Experten und Vereinen seit langem vertreten wurde: Die Schinkelsche Bauakademie am Schinkelplatz 1 muss wiederaufgebaut werden. Auch auf Bundesebene ist spätestens seit dem Richtfest des Humboldt Forums klar, dass an jenem Ort, an dem Musterecke, Fassadenfolie und Roter Saal zunehmend Patina ansetzen, gehandelt werden muss. In der Einsicht darüber, dass neben dem Humboldt Forum auch dieses Vorhaben von bundesweiter Tragweite ist, wurde parallel zur Vereinbarung der Berliner Koalition aus dem Bundeshaushalt das notwendige Budget zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt. Mit der finanziellen Zuwendung des Bundes zum Wiederaufbau rückt die Frage nach Botschaft, Nutzung und Trägerschaft einer künftigen Bauakademie in das öffentliche Interesse. Angesichts dieser Situation sieht sich der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) aufgefordert, als neutrale Institution konzeptionell vermittelnd zu beraten und Vorschläge zu unterbreiten: Der AIV ist als älteste professionelle Berufsvereinigung der Baufachleute in Berlin unauflösbar mit der Geschichte der Bauakademie verbunden. Er wurde 1824 in der Zeit Schinkels gegründet, und Schinkel selbst war ein wichtiges Mitglied des Vereins. Führende Mitglieder waren Lehrer wie Schüler der Bauakademie. Der AIV hat mit seinem Grundlagenwerk „Berlin und seine Bauten“ Architekturgeschichte geschrieben und vergleichbare Publikationen in anderen Städten Deutschlands initiiert. Unter dem Leitspruch „aus Tradition dem Neuen zugewandt“ vergibt der AIV seit 1852 jährlich den international ausgeschriebenen Schinkel-Preis und fördert damit junge Talente aus dem gesamten Spektrum des Bauens.

Im Folgenden stellen wir ein Konzept für eine Internationale Bauakademie zur Diskussion, das in Gesprächen mit zahlreichen Akteuren vieler Institutionen gereift ist.  

Botschaft einer Internationalen Bauakademie  

In einer Zeit zunehmender Intoleranz soll eine künftige Internationale Bauakademie Brücken bauen – Brücken zwischen Städten und Ländern, zwischen fragmentierten Disziplinen, professionellen Lagern, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Berlin als Bundeshauptstadt steht im Zentrum vieler Aktivitäten, und steht im Ausland sowohl für Toleranz, als auch für eine Stadt mit harten Brüchen, mit positiven wie auch manchen kritischen Lösungsansätzen, für eine Stadt, die nicht nur vieles vorzuweisen hat, sondern auch von anderen lernen möchte.

-    Brücken zwischen Städten und Ländern  

Berlin ist nicht perfekt, nicht fertig, kein strahlendes Modell. Berlin kann aber zeigen, wie es besser wird, und es muss von anderen lernen, um besser zu werden. Berlin braucht den internationalen Austausch, wie andere Städte auch. Dafür hat es als Bundeshauptstadt gute Voraussetzungen – etwa ein weit gespanntes Netz an Städtepartnerschaften, das in der Internationalen Bauakademie mit Blick auf das Bauen gefestigt werden kann. Zudem hat die Internationale Bauakademie mit dem Auswärtigen Amt eine einzigartige Nachbarschaft, die eine Kooperation nahelegt.

-    Brücken für die Disziplinen des Bauens  

In der Bauakademie des 19. Jahrhunderts war das Bauen noch ein ganzheitliches Programm, das sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr ausdifferenzierte und zugleich fragmentierte. Für diese Entwicklung gab es gute Gründe, aber die damit verbundenen Verluste sind unübersehbar. Daher gilt es, bei allem Respekt für die inzwischen etablierten Fachdisziplinen, anhand konkreter Themen zu Stadt und Architektur, das gegenseitige Verständnis zu fördern, Gemeinsamkeiten zu stärken und Kooperationen zu erleichtern.

-    Brücken zwischen den professionellen Lagern  

Das Bauen ist auch ein Feld des Streitens, insbesondere unter Fachleuten. Das ist gut und fruchtbar, solange dieser Streit konstruktiv ausgetragen wird. Wenn der Streit zum Hauen und Stechen wird, schadet er unserer Profession und auch dem Bauen insgesamt. Wir wollen helfen, eine konstruktive Streitkultur zu entwickeln, insbesondere müssen wir mehr miteinander sprechen, nicht nur in den eigenen Zirkeln.  

-    Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft  

Nicht nur in Berlin gibt es eine Kontroverse zwischen Jenen, die nur zurückblicken, und Jenen, die nur nach vorne blicken wollen. Das widerspricht allen Erfahrungen und schlägt auch eine der wichtigsten Lehren der historischen Bauakademie in den Wind:  Weder kann das Programm der einstigen preußischen Bauakademie hinsichtlich Lehre und Praxis fortgeschrieben werden, noch sollte es vor dem Hintergrund heutiger Anforderungen ignoriert werden. Das Werk von Karl Friedrich Schinkel und Peter Christian Beuth kann dazu beitragen, unsere Denk- und Handlungsräume besser zu justieren.

-    Brücken im städtischen Raum  

Während in der fachlichen Diskussion ausführlich über die architektonische Bedeutung der historischen Bauakademie nachgedacht wurde, blieb ihre zentrale städtebauliche Bedeutung eher unbeachtet: wie kein anderes Gebäude Karl Friedrich Schinkels schuf sie Stadtraum. Die Bauakademie stand im städtebaulichen Dialog mit dem ehemaligen Schloss, mit dem Alten Museum, mit der ehemaligen Alten Münze und mit der Friedrichswerderschen Kirche. Sie prägte zwei Stadtplätze unterschiedlichen Typs: den Platz an der Bauakademie (später Schinkelplatz) und den Werderschen Markt. Die historische Bauakademie ist insofern auch ein Manifest gegen das selbstgefällige, isolierte Bauen, ein Plädoyer für das Bauen von Stadt durch Architektur.   

Berlin ist ein einzigartiges räumliches Geschichtsbuch insbesondere der letzten 150 Jahre, das uns ein reiches positives wie kritisches Erbe hinterlassen hat. Dieses wollen wir als Herausforderung annehmen. Berlin reifte im 20. Jahrhundert zu einer Stadt von weltgeschichtlicher Bedeutung. Es wurde zum Symbol der Bedrohung der Welt, zum Motor zweier Weltkriege, zum Machtzentrum zweier höchst unterschiedlicher Diktaturen und zur zentralen Bühne des weltumspannenden Kalten Krieges. Heute hat Berlin einen außerordentlich guten Ruf außerhalb der Grenzen Deutschlands. Es gilt als heitere und tolerante Hauptstadt eines nicht immer als heiter und tolerant wahrgenommenen Deutschland. In der Stadtentwicklung sucht es im Wettbewerb wie im Austausch mit anderen europäischen Metropolen sein Wachstum nachhaltig zu gestalten.

Nutzung einer Internationalen Bauakademie  

Die neue Internationale Bauakademie entfaltet ihre Aktivitäten zu Stadt und Architektur auf drei Ebenen: Ausstellungen, Lehre und Forschung mit jeweils internationaler Perspektive. Schwerpunkt ist dabei die Metropole Berlin.

-    Ausstellungen  

Ausstellungen von lokaler, nationaler und internationaler Attraktivität sind Kern der Internationalen Bauakademie. Sie bestehen zu einem Drittel aus einer Dauerausstellung und zu zwei Dritteln aus Wechselausstellungen, vor allem zu Architektur und Städtebau in Berlin. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, bedarf es eines großen Fundus an historischen Planzeugnissen und an institutioneller Kompetenz. Hier kann Berlin auf umfangreiche Bestände und große Erfahrung zurückgreifen. Das Architekturmuseum der Technischen Universität verfügt nicht nur über eine der ältesten und international bedeutendsten Plansammlungen, sondern auch über Ausstellungs- und Digitalisierungserfahrung. Ihr Träger, die Technische Universität Berlin, ist eine Nachfolgeinstitution der preußischen Bauakademie. Die Internationale Bauakademie bezieht sich darüber hinaus auf die zahlreichen Planbestände auch anderer Institutionen in Berlin und kooperiert mit weiteren Architekturmuseen in Deutschland. Ergänzend zu den Ausstellungen werden Vorträge und Konferenzen organisiert.

-    Lehre   

An der Internationalen Bauakademie Berlin, so unser Vorschlag, werden drei Ateliers mit unterschiedlichen Entwurfsaufgaben für Studentinnen und Studenten aus dem In- und Ausland von ebenso national und international tätigen Gastprofessorinnen und Gastprofessoren angeboten. Die Entwürfe behandeln Themen von Stadt und Architektur mit Schwerpunkt Bundeshauptstadt Berlin unter Berücksichtigung der historischen wie sozialen Dimension. Jeweils eines der Entwurfsthemen könnte in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie mit dem Bundesbauministerium entwickelt werden. Das Lehrangebot richtet sich vor allem an Studentinnen und Studenten aus dem Spektrum Stadt und Architektur, grundsätzlich sollte es aber allen Qualifizierten offenstehen.  

-     Forschung  

Die Forschung widmet sich der Stadt und der Architektur der Metropole Berlin unter historischen, stadttechnischen, sozialen und internationalen Bezügen. In der Gründungsphase wären drei Forschungsschwerpunkte zu Berlin denkbar: Dokumentation des Bauens in Berlin, Spezialinventar „Berliner Architektursammlung“ sowie „Systematisierung raumbezogenen städtebaulichen Wissens zum Wachstum der Hauptstadtregion“.  

-    Möglicher Beitrag des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin  

Der AIV kann eine Internationale Bauakademie in allen Bereichen substanziell unterstützen. Es seien hier aber zunächst nur zwei Beiträge genannt, mit denen der AIV in der öffentlichen Wahrnehmung direkt verbunden wird: der AIV- Schinkel- Preis und die Publikationsreihe „Berlin und seine Bauten“.  

Seit 1852 wird durch den Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin e.V. (AIV) jährlich der internationale AIV- Schinkelwettbewerb ausgelobt. Zu seinen Förderern gehören neben dem Verband Deutscher Architekten und Ingenieurvereine (DAI) auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie die Baukammer Berlin. Der Wettbewerb ist eine anerkannte Größe in der internationalen Wettbewerbslandschaft und eine fest etablierte Institution zur Förderung des Nachwuchses. Die Gewinner werden mit dem AIV-Schinkel-Preis und Anerkennungen geehrt. Der Schinkelwettbewerb könnte zu einem zentralen Zulassungs- und Förderinstrument der Internationalen Bauakademie werden. Teilnahmeberechtigt wären wie bislang alle Studentinnen und Studenten und junge Professionelle aus dem In- und Ausland bis zu einem Alter von 35 Jahren. Die Verfasser der besten Arbeiten erhalten mit der Verleihung des Schinkel-Preises ein Stipendium, um an der Internationalen Bauakademie an einem der drei Ateliers teilnehmen und kostenfrei wohnen zu können.   

Die Buchpublikation „Berlin und seine Bauten (BusB)“ ist die bedeutendste Baudokumentation Berlins, ihre erste Ausgabe erschien 1877, eine zweite Ausgabe 1896 und die große dritte Ausgabe seit 1964, die insgesamt 24 Bände umfasst. Eine vierte Ausgabe mit Blick auf neue Medien ist in Vorbereitung und könnte in das Forschungslabor der Internationalen Bauakademie eingebracht werden.

Trägerschaft einer Internationalen Bauakademie  

Die in Berlin am 25. September 2001 gegründete „Internationale Bauakademie Berlin e.V.“ wurde als gemeinnütziger Verein vom Senat beauftragt, sich um die Belange des Wiederaufbaus und der inhaltlichen Konzeption zu kümmern. Als „geborene Mitglieder“ sind an der „Internationalen Bauakademie e.V.“ folgende Institutionen beteiligt:  

Kunstbibliothek Berlin            
Stiftung Preußischer Kulturbesitz            
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg            
SMB Kupferstichkabinett            
Stiftung Stadtmuseum Berlin            
Staatsbibliothek zu Berlin            
Berlinische Galerie            
Geheimes Staatsarchiv            
Preußischer Kulturbesitz           
Zentral- und Landesbibliothek Berlin            
Deutsches Technikmuseum Berlin            
Landesarchiv Berlin
Akademie der Künste, Baukunstarchiv
Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung            
Förderverein Bauakademie  
Friends of Schinkel
Bauhaus-Archiv Berlin
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin
Werkbundarchiv - Museum der Dinge Berlin.  

Auf der Grundlage der neuen Rahmenbedingungen empfiehlt der AIV, den Verein   „Internationale Bauakademie Berlin e.V.“ in veränderter Form in eine Stiftung „Internationale Bauakademie“ zu transformieren, diese Stiftung könnte dann gemeinsam von Bund und Land getragen werden. Weitere wichtige Träger wie die TU Berlin kommen hinzu.  

Mit dem Wiederaufbau der Bauakademie erhält die Mitte Berlins einen zentralen Lehr-, Forschungs- und Ausstellungort für Stadt und Architektur von europäischem Rang.  

Berlin, den 16.01.2017  Für den Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin e.V., Harald Bodenschatz, Peter Lemburg, Tobias Nöfer, Markus Tubbesing

Der Brief zum Download

 

Schinkel 1781 1841

 

Vor 175 Jahren starb mit Friedrich Schinkel einer der bedeutendsten deutschen Architekten aller Zeiten. Trotz großer Verluste durch Abbruch und Krieg haben sich in Berlin und Potsdam zahlreiche Schinkel-Bauten unterschiedlichster Bestimmung erhalten. Sein Altes Museum, das Schauspielhaus, die Friedrichswerdersche Kirche setzten Maßstäbe. In Galerien und Museen künden Gemälde, Zeichnungen, Schriften und Ausstattungen aller Art von seiner allumfassenden Künstlerschaft. Viele hochbedeutende Baudenkmale in Stadt und Land verdanken seinem Eintreten und seiner Fürsorge ihre Existenz. Karl Friedrich Schinkel starb am 9. Oktober 1841 nach langer schwerer Krankheit in seiner Wohnung in der von ihm errichteten Bauakademie. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Chausseestraße wurde er bestattet, in einem Berliner Ehrengrab.

AIV zu Berlin