AIV EdFuehr

Architektur wird im ‚Dritten Reich‘ und in der Analyse der Architektur des ‚Dritten Reichs‘ immer wieder als ‚Wort aus Stein‘ bezeichnet. Damit wird ein enger Zusammenhang von Politik und Baukunst behauptet, was vor 1945 zur Nähe der Architektur zum Nationalsozialismus beitrug und nach 1945 zu massiven Forderungen, diese weiterhin als sprechend empfundene Architektur abzureißen. Zugleich gibt es Architekten, Architekturtheoretiker und Bauhistoriker, die das Sprechen der Architektur als Wunschdenken abtun und die Bauten aus der Zeit des ‚Dritten Reichs‘ als vorzügliche Beispiele einer überpolitischen klassizistischen Ästhetik verstehen. Aber was ist das, ein ‚Wort aus Stein‘?  Ein Befehl, eine Gebrauchsanweisung, ein Manifest, eine Predigt, ein Poem, ein Roman, ein Lullaby (Kinderschlaflied)? Oder gar ein unschuldiges weißes Blatt?

Eduard Führ hatte bis zu seiner Emeritierung den Lehrstuhl Theorie der Architektur an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg inne.

2016 2017

Als Reaktion auf den Offenen Brief des AIV zu Berlin vom 13.Dezember 2016 erklärte der neue Stadtentwicklungsstadtrat für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger (Grüne), gegenüber dem Tagesspiegel , für mehr Personal fehle das Geld. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier  Der Tagesspiegel .

Die Stadt fährt Vollgas und die Politik zieht die Handbremse

Sehr geehrte Damen und Herren,

es wird auch Ihnen und den Verantwortlichen in den Bezirksämtern nicht entgangen sein, dass Berlin seit einigen Jahren eine dynamische Entwicklung vollzieht. Die Stadt wird mehr und mehr zu einer faszinierenden und zunehmend auch wirtschaftsstarken Metropole, das weiß alle Welt. Im krassen Gegensatz dazu steht das Verhalten der Organe des Landes Berlin. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin möchte Ihnen mit diesem Schreiben ein Beispiel bringen von unhaltbaren Zuständen in der Berliner Verwaltung, und davon, wie es nicht weitergehen kann.

Das Stadtplanungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf ist chronisch so unterbesetzt, dass es nicht einmal mehr die üblichen und unbedingt notwendigen Beratungstermine zur Verfügung stellen kann. Dies liegt nicht nur an Krankheit und anderen Ausfällen, sondern schlicht und ergreifend an Untätigkeit im Personalmanagement. Vor allem also daran: die Stadt fährt Vollgas und die Politik zieht die Handbremse.

So ist zum Beispiel die Stelle des stellvertretenden Leiters der Bauleitplanung aus Sparsamkeit seit 2 Jahren unbesetzt. Und die Bezirkspolitik meint, dass es ausreicht, wenn sie – wie jetzt das Ziel ist – frei werdende Stellen innerhalb von 7 Monaten wiederbesetzt. Es müssen aber 0 Monate sein!

An einem Morgen letzter Woche zur normalen Geschäftszeit zum Beispiel war das Stadtplanungsamt mit nur einem einzigen Mitarbeiter besetzt, der verzweifelt wie Sisyphos versucht den Berg an Vorgängen abzuarbeiten. Davon wird der sicher auch bald krank.

Das Beispiel zeigt eines sehr deutlich: Die Berliner Planungsämter sind überfordert und brauchen dringend mehr Personal, um mit dem rasanten Wachstum der Stadt mitzuhalten.

Es ist sicher falsch an den Stellen Geld zu sparen, die das Land aus seiner finanziellen Misere holen könnte. Es muss das Steuergeld zur Verfügung gestellt werden, das die Bürger dem Staat zahlen, damit der seine Geschicke zum Wohle aller lenkt. Die derzeitigen Zustände sorgen dafür, dass Bauvorhaben verzögert oder ganz abgesagt werden, die die Stadt dringend benötigt. Wird hier nicht umgehend massiv gehandelt, ist der soziale Frieden gefährdet. Es ist erstaunlich aber wahr, wie banal die Hintergründe sind. Das ist das Gegenteil von dem was die Politik in Sonntagsreden ankündigt und Koalitionsverträgen vereinbart.

Für den Vorstand des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin e.V.

Tobias Nöfer, Architekt

Download PDF

Logo Signet AIV SW 1

IMG 1796

Berlin besitzt eine Friedhofslandschaft unvergleichlicher Vielfalt auf über 200 Standorten. Die zahlreichen historischen Grab– und Friedhofsanlagen sind herausragende Zeugnisse der Kunst–, Kultur– und Stadtgeschichte, die den Besitzern und Friedhofsbetreibern jedoch oft mehr Sorgen als Freude bereiten. Obwohl schon während der 80er Jahre in beiden Stadthälften Zeichen zur Sepulkralthematik gesetzt wurden, rückte sie nach Überwindung der Teilung noch stärker in das öffentliche Interesse.

WB HB

Der Standort des künftigen Bauhaus-Museums ist einzigartig: Das neue Museum wird sich zwischen dem ehemaligen und einzigen „Gauforum“ der NS-Diktatur und der grünen Kulturachse der Weimarer Republik, einem Volkspark von nationaler Bedeutung, erheben.

Spaghetti Monster

"Aus der Vogelperspektive betrachtet entfaltet das "Spaghettimonster" aus Bahngleisen, Autobahn und Stadtstraßen rund um Funkturm und S-Bahnhof Westkreuz noch eine gewisse Ästhetik", schreibt in ihrem Artikel zum AIV-Schinkel-Wettbewerb 2017 die Autorin Isabel Jürgens.

Schinkel 1781 1841

 

Vor 175 Jahren starb mit Friedrich Schinkel einer der bedeutendsten deutschen Architekten aller Zeiten. Trotz großer Verluste durch Abbruch und Krieg haben sich in Berlin und Potsdam zahlreiche Schinkel-Bauten unterschiedlichster Bestimmung erhalten. Sein Altes Museum, das Schauspielhaus, die Friedrichswerdersche Kirche setzten Maßstäbe. In Galerien und Museen künden Gemälde, Zeichnungen, Schriften und Ausstattungen aller Art von seiner allumfassenden Künstlerschaft. Viele hochbedeutende Baudenkmale in Stadt und Land verdanken seinem Eintreten und seiner Fürsorge ihre Existenz. Karl Friedrich Schinkel starb am 9. Oktober 1841 nach langer schwerer Krankheit in seiner Wohnung in der von ihm errichteten Bauakademie. Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Chausseestraße wurde er bestattet, in einem Berliner Ehrengrab.

AIV zu Berlin

Westkreuz - Mit Mut und Fantasie das Spaghettimonster entwirren

Berlin, 27.09.2106. Der AIV-Schinkel-Wettbewerb 2017 widmet sich dem Berliner Westkreuz, einem der zentralen Verkehrsknotenpunkte und stellt damit die Folgen der autogerechten Stadt auf den Prüfstand.

Über die Jahre hat sich rund um das Westkreuz eine Terra incognita gebildet, die sich kaum zu Fuß oder per Rad durchqueren lässt. Das Nebeneinander aus Auto- und Bahntrassen zerschneidet das Stadtgefüge, zwischen den angrenzenden Stadtteilen bestehen kaum Verbindungen. Auch der zentral gelegene S-Bahnhof Westkreuz ist kaum erreichbar. Mit den Verkehrsbauwerken sind nicht nur deutliche Einschränkungen für Mensch und Umwelt verbunden, sie hemmen auch die städtebauliche Entwicklung des Umfeldes bis hinein in die Innenstadt. Entsprechend verharrt das Umfeld des ICC wie des Zentralen Omnibusbahnhofs in einem trostlosen Zustand.

Nr. 3 W Westkreuz aivsw17 westkreuz 01 20160605 163302

Unterwegs im Wettbewerbsgebiet: Berliner S-Bahnring entlang der Stadtautobahn A 100 Richtung ICC und Autobanhdreieck Funkturm

Das Wettbewerbsgebiet umfasst, vom Autobahnkreuz Funkturm ausgehend, der Avus und der A 100 folgend über den S-Bahnhof Westkreuz hinaus bis hin zur Neuen Kantstraße und der Masurenallee, eine Fläche von rund 140 ha.

Raj_2.jpg

Foto: Ariel Huber

Mahendra Raj begann seine Karriere 1951 als erster Ingenieur auf der Baustelle von Chandigarh. Fünf Jahre arbeitete er im indischen Team an der Ausführung jener Regierungsbauten von Le Corbusier, die im Juli 2016 als Weltkulturerbe gelistet wurden. Nach einem Studium in den USA eröffnete er ein eigenes Büro in seiner Heimat. Der 91-Jährige gilt heute als wichtigster Tragwerksplaner Indiens, denn mit seinen innovativen Lösungen für Bauten in Sichtbeton prägte er entscheidend die Architektur nach der Unabhängigkeit des Landes.